Eine Kurzgeschichte #1

Ich hatte mir irgendwann mal gedacht, dass ich meine Leselust in eine Schreibelust umwandeln könnte. Und irgendwann dachte ich mir: Ja ich sollte wirklich mal irgendwas schreiben. Und irgendwann schrieb ich dann. Und dann nicht mehr und dann wieder ein wenig und so weiter. Ihr wisst ja wie das ist, wenn man eine tolle Idee hat und die dann, wie zum Beispiel diesen Blog, umsetzt und dann lässt man es wieder, weil einem die Lust fehlt. So ist das bei mir leider ziemlich oft. Aber ich hoffe immer noch auf Besserung. Sowohl beim Blog als auch beim Schreiben. An einer meiner Kurzgeschichten will ich euch heute teilhaben lassen und vielleicht kann ich das mal fortsetzen und immer mal was schreiben und hier preisgeben.
Vorab sollte schonmal gesagt sein, dass ich kein begnadeter Schreiber bin. Zum einen fehlt mir die Übung und zum anderen pumpe ich mich selten mit Anleitungen und so weiter aus dem Internet voll. Ich lese fiel. Das ist meine einzige Übung :D Deswegen bin ich zwar offen auf Verbesserungscorschläge, die es immer geben wird, aber ignoriere ich geflame etc. Auch wenn ich denke, soviele werden hier eh kein Kommentar da lassen ;) aber das ist OK.
Also gut, ich bin gespannt was ihr davon haltet und wie ihr die Geschichte interpretiert. Vielleicht könntet ihr mir eure Meinung ja in den Kommentaren mitteilen, dass wäre echt wahnsinnig cool von euch. Es wäre interessant, ob ihr es genau so seht wie ich, nachdem ich sie geschrieben hatte. Also viel Spass beim Lesen, euer Udo!


Das Erbe
Das leise Grummeln in weiter Ferne kündigte entweder von einem anbahnenden Gewitter oder von einem, welches nur an der Stadt vorbeiziehen würde. Den Regen, den das Gewitter mir sich brachte, freute den kleinen Jungen sehr. Spielen in dem Viertel, in dem er und sein Vater wohnten, war meist eine langweilige Angelegenheit. Zum einen kannte er das gesamte Viertel und auch die angrenzenden Viertel, mit ihren prunkvollen, riesigen Häusern, die Gassen und größeren Straßen und die große Hauptstraße mit seinen Kopfsteinpflastern, welche die Viertel voneinander trennte, in und auswendig, zum Anderen kannte er auch die anderen Kinder aus den Vierteln und wusste das diese meistens in ihren Häusern blieben und nicht, so wie er, Spaß daran hatten, draußen zu spielen. Gerade wenn es regnete und es kalt war, mieden es die anderen Kinder raus zu gehen. Doch er liebte es im Regen draußen zu spielen. Er liebte es umher zu rennen, in jede Pfütze zu springen und zuzuschauen wie die Erwachsenen, die sonst immer das Sagen hatten, vor dem Regen und der Nässe ins trockene Hausinnere flohen, während im das alles nichts ausmachte.
Der kleine Junge freute sich zwar, dass er regnete, doch irgendetwas stimmte an diesen Tag nicht. Papa hat heute viel länger geschlafen als sonst und als ich ihn versucht habe zu wecken, hat er nicht reagiert, dachte der kleine Junge gerade als eine Gruppe schwarz gekleideter Männer an ihm vorbei und zum Eingang ihres Hauses lief. Die Männer, so stellte der kleine Junge mit Freuden fest, hatten ihre Mäntel eng um sich geschlungen und beeilten sich mit schnellen Schritten die Tür zu erreichen. Der kleine Junge folgte ihnen in sicherer Entfernung zur Tür. Einer der Männer drückte die Klinke der Tür hinunter, öffnete sie und schlüpfte mit einem Blick über die Schulter ins Haus. Die anderen drei Männer taten es ihm gleich und verschwanden im Hausinneren. Als er ihnen folgen wollte, schlugen sie ihm die Tür vor der Nase zu. Danach hörte er ein metallisches Klicken. Das Geräusch verstörte ihn sehr, denn er wusste, dass die Tür jetzt verschlossen war. Warum schließen die Männer die Tür ab? Wie soll ich rein kommen und was ist mit Papa? Er ist immer noch im Haus. Sie können ihn nicht einfach einschließen. All diese Gedanken schossen ihm durch den Kopf und Panik befiel ihn. Tränen füllten seine Augen und die Hilflosigkeit lies ihn weinen. Er traute sich nicht nach Papa oder den Männern zu rufen, aus Angst, er könnte ausgeschimpft werden. So rüttelte und klopfte er weinend an die Tür, doch im Inneren reagierte niemand auf ihn. Es fiel ihm schwer einen klaren Gedanken zu fassen und so versuchte er seine Tränen wegzuwischen, was sich jedoch als fruchtloses Unterfangen herausstellte, da seine Klamotten inzwischen durch den Regen durchnässt waren. Er ging ein Stück das Haus hinunter und hockte sich an dessen Ecke, die durch das prunkvolle Vordach des Hauses trocken geblieben war. Einigermaßen geschützt vor dem Regen versuchte er sich zu konzentrieren und nach einer Lösung zu suchen. Dann plötzlich fühlte er die Panik von ihm abfallen. Natürlich, ich werde einfach den Hintereingang nutzen. Der ist über den Tag immer geöffnet. Zwar schämte er sich, dass er nicht gleich auf diese naheliegende Lösung gekommen war, doch war er glücklich darüber zu wissen, dass alles wieder in Ordnung käme. Beruhigt fing er wieder an zu spielen und auch seine nassen Klamotten machten ihm auf einmal viel weniger aus. Während er spielte sah er, wie die Männer die Tür wieder öffneten und begannen Sachen herauszutragen. Sie verschwanden hinter einer Hausecke und kamen kurz darauf wieder, betraten das Haus erneut und kamen mit neuen Sachen wieder heraus. Dieses Treiben ging eine ganze Weile so. Er sah wie die geliebten Bilder seines Vaters aus dem Haus getragen wurden. Er erkannte auch die Schmuckschatulle seiner Mutter, die schon lange fort war. Mit ihnen gingen auch andere Sachen, die bei ihnen Zuhause immer ihren Platz hatten. Als die Männer ein letztes mal nach draußen gingen und die Tür von außen verschlossen, ging der kleine Junge auf die Männer zu, die sich gerade hitzig unterhielten: „…ihr seid euch sicher, dass es keine Verwandten oder Erben gibt?“, fragte einer der Männer gerade. „Erben? Nein. Ich bin schon seit langen der Anwalt des alten Knochen hier, aber Erben hat er nie bestimmt.“, antwortete ein anderer mit diebischen Lächeln, so als wüsste er, das es anders war. „Soll das heißen, dass er keinerlei Kinder hat und was ist mit seiner Frau, er hatte doch eine?“
„Seine Frau ist schon lange tot und Kinder…, ich glaube unser Freund hier war einfach zu geizig für Kinder.“
Auf diese Bemerkung hin lachten die Männer. Über wenn reden diese Männer, fragte sich der kleine Junge. Bestimmt nicht über Papa, denn der hat ja ein Kind und das bin ich.
Die Männer hatten sich inzwischen abgewandt und waren die Straße hinunter weggegangen. Doch ein wenig über die Geschehnisse in seinem Zuhause beunruhigt machte er sich auf Richtung Hintertür. Er betrat das Haus und nahm die Treppe in den Eingangsbereich. Sofort fiel ihm auf, dass etwas nicht stimmte, denn das Haus war viel leerer. Eigentlich fehlten fast alle Sachen. Die Wände waren blank und da wo vorher die Gemälde hingen waren nur noch deren ehemaligen Umrissen auf der Tapete zu erahnen. Tische, Vasen, Kerzenständer und auch alle anderen Gegenstände, die Papa so sehr liebte, die der kleine Junge aber nie viel Bedeutung beigemessen hatte, waren verschwunden. Nur ein paar wenige Sachen lagen noch achtlos hingeworfen herum. Während seines Ganges zum Schlafzimmer seines Vaters sah er überall Plätze, an denen etwas fehlte. Als er das Schlafzimmer erreichte, blickte er auf ein, bis auf das Himmelbett seines Vaters, leeres Zimmer. Im Bett lag immer noch sein Vater und schlief. Der kleine Junge ging zum Bett, setzte sich auf das Bettende und betrachtete traurig seinen untätigen Vater und wartete darauf, dass dieser aufwachte.